Theaterprojekt "Sinjab und Ketër überwintern"

Ein Theaterprojekt mit Flüchtlingskindern und deren Familien in der Sammelunterkunft Allensteinertrasse (Sept. - Dez. 2015) » von Theater PATATi-PATATA + » Förderverein Theater ohne Grenzen e.V. in Zusammenarbeit mit dem Asylcafe Römerschanze.

Thema: "Herbst - Winter - schlotter - bibber".

Wir erforschten spielerisch die Jahreszeiten und Kulte und freuten uns über die große Resonanz von Seiten der Bewohner der Sammelunterkunft: 13 Kinder aus 7 Familien und deren Eltern waren beim Projekt, dem Herbsttag mit Apfelsaft beim Umweltbildungszentrum Listhof und beim Weihnachtstheaterausflug zu "Weihnachtsmann vergiss mich nicht" mit anschließender Feier im Franz K. dabei.
Gefördert wurde das Projekt von der Diakonie,vom Landratsamt, der Kreissparkasse Reutlingen und aus privaten Spenden an unseren Förderverein Theater ohne Grenzen e.V.

Was machen Mensch und Tier in der kalten Jahreszeit?

Mit den Mitteln des Theaters erspielen wir mit den Kindern Situationen zu den Jahreszeiten. Einige Kinder sprechen schon sehr gut deutsch andere sind erst vor kurzem angekommen und haben keinerlei Sprachkenntnisse. Wir haben uns daher für die Jahreszeiten in Deutschland und mit dem was da so passiert (Laterne laufen, Halloween, Nikolaus, Weihnachten etc.) entschieden, mit bildnerischen Mitteln, Bewegung, Pantomime, Licht und Schatten aber auch mit Ausflügen zu erarbeiten.

Familie Eichhorn kommt ins Spiel:

Herbst: Sinjab (syrisch für Eichhörnchen) und Ketër (albanisch für Eichhörnchen) und ihre Familien bereiten sich auf den Winter vor. Sie legen Vorräte an, verstecken Nüsse, bauen ein Nest, suchen Wärme, haben Hunger, finden ihr Futter wieder oder auch nicht... Bei unserem ersten gemeinsamen Ausflug zum Umweltbildungszentrum Listhof wurde das Gespielte in die praktische Erfahrung ungesetzt: Wir haben Eicheln, Kastanien, Blätter, Äpfel gesammelt und Apfelsaft gemacht: Gemeinsam ernten, schnippeln, pressen, quetschen- trinken und zwischendurch sich Hände und Füße am Lagerfeuer wärmen- denn: es ist Herbst, es wird kalt. Auch das Wetter spielt herbstig mit. Es ist grau und nieselig an diesem Tag. Für Sinjab, Ketër und ihre Freunde und Eltern kein Problem. Es wird viel gelacht bei Eichhorns.

Dunkelheit und Licht:

Mit dem Ende der Sommerzeit werden die Tage kürzer. Es dunkelt früh. Eichhorns brauchen Licht, und müssen sich vor Wolfsgeheul und gefährlichen Tieren schützen, die nachts im Wald lauern. Kürbismännchen helfen da ungemein.
Mit Licht- und Schattenspiel verwandeln sich die Eichhorns in gefährliche Fratzen, in böse Geister, die mit rhythmischen Heul -fauch- klängen die dunklen Wintergeister vor ihrer Höhle zu vertreiben suchen.
In der Halloweennacht kann man sich vor den Wintergeistern am besten dadurch schützen, dass man selber ein Geist wird. Gemeinsam wird mit den ulkigsten Zauberwortschöpfungen in diversen Sprachen ein Trank gebraut- ein Schluck genügt und die Eichhornbande verwandelt sich Stück für Stück in gruslige Monster- ein Spiel, das reichlich Spaß macht. Grimassen werden geschnitten, Augen rollen, Finger werden zu klauen. Zu rhythmischer Musik spielen wir den Brauch "Süßes oder Saures " im Theater nach. Der Rhythmus verbindet die Kinder zu einer Geistergruppe und was sonst häufig chaotisch daher kommt, wird plötzlich zu einer fast schon ausgetüftelten Gruppenchoreografie.
Dann wird es Winter:

Es schneit und schneit und schneit - leider nur in der Probe. Schnee ist kalt, und leise. Schnee ist weiß man kann darin Schlittenfahren, Schneemänner bauen, Schneeballschlacht machen , sich hineinfallen lassen. Die Eichhorns spielen mit ihren Freunden im Winterwald alle diese Winterspiele.
Doch der Wind rauscht durch die Blätter und flüstert einem nach dem andere ins Ohr: Es gibt bald ein Fest- ein großes Fest. Was für ein Fest könnte das sein? Geburtstag, Silvester? diverse Vorschläge werden machen die Runde. Weihnachten kommt. Und was passiert da? Spielrisch bereiten wir den ersten Ausflug ins Theater vor zur Vorstellung von "Weihnachtsmann vergiss mich nicht" und unserer gemeinsamen Weihnachtsfeier. Dafür muss man einiges Vorbereiten zum Beispiel Plätzchen backen. Zunächst proben wir das pantomimisch: Benennen die möglichen Zutaten und Tätigkeiten- jedes Kind wird einmal "durchgeknetet" und kommt als Riesenplätzchen in den Backofen. Erstaunlich, wie vorsichtig und rücksichtsvoll die sonst quirlige Bande hier miteinander umgeht.
Der Tisch wird gedeckt, das Weihnachtskonzert vorbereitet, und alle warten gespannt auf den Weihnachtsmann.
Mit einer gemeinsamen Plätzchenbackaktion, sind alle Vorbereitungen getroffen.
Mit dem gemeinsamen Theaterbesuch unseres Kinderstückes "Weihnachtsmann vergiss mich nicht" am So. 13. Dezember im FranzK und anschließender Weihnachtsfeier mit Plätzchen, Filzwindlichter basteln und Musik unser Projekt "Sinjab und Ketër überwintern" endet unser Projekt.
Über 30 Bewohner aus der Allensteinerstrasse sowie zahlreiche Reutlinger Bürger und einige treue Flüchtlingsfamilien aus unserem Projekt in der Carl Zeiss Strasse waren im Theater. Es war so mucksmäuschen still, dass man den Schnee in den Wolken hören konnte.