SWP | 19.12.2015

ASYLCAFÉ
Menschliche Wärme

Von Norbert Leister

5000 Euro zur Unterstützung der Asylarbeit im ehemaligen IB-Wohnheim an der Römerschanze: Gabriele Kolompar von der Pfullinger Firma Engel übergab am Mittwoch die Spende.

Als "organisiertes Chaos" bezeichnete Gabriele Kolompar am Mittwoch augenzwinkernd und liebevoll den "ganz normalen Betrieb" im Asylcafé im ehemaligen IB-Wohnheim an der Rommelsbacher Straße. Vor rund vier Wochen hatte sie als Geschäftsführerin der Pfullinger Firma Engel schon einmal die Flüchtlingsunterkunft an der Römerschanze besucht. "Ich sehe mir gerne an, wohin das Geld geht, das wir spenden", betont sie. Ihre 36 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen Engel produzieren nicht nur Wäsche "ökologisch und sozialverträglich", manche von ihnen engagieren sich auch in der Unterkunft an der Römerschanze, wie Kolompar betont.

Für sie alle war es keine Frage, die Arbeit der Ehrenamtlichen zu Gunsten der Flüchtlinge zu unterstützen. Und weil Weihnachtsgeschenke in unserer Gesellschaft heute doch eh der pure Luxus seien, "hatten wir den Ansporn, von unserem Wohlstand was abzugeben", sagte Gabriele Kolompar. Zudem gebe es genug Ansatzpunkte, um die Asylarbeit in der Unterkunft zu unterstützen - mit Bastel- und Spielsachen etwa, mit Materialien für den Sprachunterricht oder mit anderen Dingen, die gerade dringend benötigt werden.

Übrigens herrscht in der Flüchtlingsunterkunft an der Römerschanze ganz viel Enge, "aber auch ganz viel menschliche Wärme", wie Traugott Hubenbauer aus dem Orga-Team des Arbeitskreises Asyl in der Flüchtlingsunterkunft betont. Nicht nur der Raum für das Asylcafé, auch die Zimmer der Bewohner seien sehr klein, berichtet Helga Trittel.

Im Vergleich mit vielen anderen Unterkünften seien die Verhältnisse in der Rommelsbacher Straße aber richtig gut, betont die Sozialarbeiterin. Sie hat ein eigenes Büro in dem Gebäude, das Asylcafé habe einen eigenen Raum und auch für die Sprachkurse gebe es ein Zimmer.

"Im Juni dieses Jahres sind die ersten Flüchtlinge hier eingetroffen", berichtet Ute Lante als Ansprechpartnerin des AK Asyl. Rund zwei Drittel der Menschen in der Unterkunft sind Familien, "die meisten von ihnen sind Syrer, dann folgen Albaner und Mazedonier", berichtet Helga Trittel.

Die Sozialarbeiterin ist für das einstige IB-Wohnheim zuständig, sie betreut die Menschen mit ihren alltäglichen Problemen. 84 Flüchtlinge sind jetzt in dem ehemaligen IB-Wohnheim, rund 30 Ehrenamtliche engagieren sich dort. Und das reicht von der Betreuung des Asylcafés bis zur Verfahrensberatung, Sprachkurse und eine Fahrradwerkstatt gibt es bereits, eine Hotline mit Freiwilligen soll zudem eingerichtet werden, um Flüchtlinge zum Arzt oder in anderen Notfällen zu begleiten. "Und es gibt eine Kinderbetreuung, während das Asylcafé geöffnet hat", erläutert Ute Lante. Dazu kommen Erzieherinnen nach ihrer Arbeit im Kindergarten in die Flüchtlingsunterkunft und schauen dort nach den Kindern.

"Die Lage der Unterkunft ist okay", sagt Helga Trittel. Läden seien in der Nähe, eine Bushaltestelle ebenfalls und Angebote der Kirchen würden von den Flüchtlingen angenommen.

Wie die tägliche Arbeit der Sozialarbeiterin aussieht? "Die wichtigsten Dinge mit den Menschen zusammen erledigen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern", sagt die Sozialarbeiterin. Viel Verwaltungsarbeit, aber "die Asylbewerber beschäftigt natürlich am meisten, was ihr Antrag macht - und das auch die Syrer, die ja fast zu 100 Prozent anerkannt werden".

Einige Albaner seien schon freiwillig zurückgekehrt, andere wüssten natürlich, dass sie jederzeit abgeschoben werden können. Und das erhöhe nicht gerade das Wohlbefinden der Menschen - neben kleineren Reibereien zwischen den insgesamt sieben Nationalitäten sei die Atmosphäre aber durchaus als ruhig zu bezeichnen, betont Helga Trittel.

Ansonsten gehe es bei ihrer Arbeit um "die ganze Bandbreite des Lebens, von Kindergarten und Schule bis zur Behandlung im Krankheitsfall - für die Flüchtlinge gibt es ja nur eine gesundheitliche Grundversorgung", so Trittel.

Mit freundlicher Genehmigung der Reutlinger Nachrichten